Wofür schreibe ich noch “How-To”-Artikel, wenn die KI ihn in drei Minuten besser kann als ich in drei Stunden?
Ich fand neulich einen Link, der meine Theorie bestätigt: Das Bloggen von “How-To-Fix”-Artikeln wird verschwinden. Generell.
Tim Ferris berichtet, dass seine Buchverkäufe, die ja meistens Ratgeber-Bücher sind, ins Bodenlose abstürzten.
If “how-to” books are getting crushed because LLMs seem to provide faster, cheaper, and more personalized advice… What’s next on the chopping block? Online courses, newsletters, advice blogs. Same logic. Anything with a core value proposition of “transferring instructions from my head to yours” is now competing with an interface that does it instantly, conversationally, and for free.
Mein letzter Artikel dieser Art war einer über AsciiDoc mit Docker. Ich habe mich zwei, drei Stunden intensiv mit dem Problem beschäftigt. Als ich eine Lösung gefunden hatte, war ich stolz darauf und habe sie als Blogpost veröffentlicht. Natürlich auch, um als Technischer Redakteur sichtbarer zu werden — um meine Jobchancen zu verbessern.
Aber heute schreibt eine KI diesen Artikel in drei Minuten. Diese Art von Artikeln werde ich also nicht mehr schreiben können. Nicht weil ich es nicht könnte, sondern weil es niemanden mehr interessiert. Die Zeit der Naivität ist vorbei. Bloggen steht jetzt in einem völlig anderen Kontext.
Eine ähnliche Konstellation war das Veröffentlichen in der Diktatur: Jedes Buch, das in der DDR zwischen 1949 und 1989 erschien, hatte als Folie die staatliche Zensur im Hintergrund. Es gab nur zwei Möglichkeiten: Das Buch erschien trotz der Zensur. Oder es erschien gar nicht.
Der DDR-Schriftsteller Jurek Becker hat das so beschrieben:
Jedes Buch war entweder erlaubt oder verboten, etwas Drittes gab es nicht. Selbst wenn ein Autor etwas schreiben wollte, was die politische Zensur nicht berührte, musste er mit dem Verdacht fertig werden, dass er es nur deshalb tat, um der Zensur aus dem Weg zu gehen. Das ist ja eine der fatalsten Folgen der Zensur: dass alle nicht verbotene Literatur mit dem Geruch existieren muss, erlaubt zu sein.
Genau so existiert jeder Blogpost jetzt im KI-Zeitalter. Der Leser liest ihn unter einer Prämisse, die er vielleicht gar nicht bewusst formuliert: Hätte ich den Inhalt auch von der KI bekommen können? Wenn ja, ist der Artikel nicht lesenswert. Denn in der KI kann ich selbst prompten. Im Blogpost nicht.
Ich weiß noch nicht, wohin die Reise als Blogger geht. Selbst das Schreiben über Workflows — wie man sich mit KI als Werkzeug Routinen zum Erledigen von Aufgaben baut — funktioniert nicht mehr richtig. Denn jeder Leser kann die KI in einem einfachen Satz fragen oder gleich befehligen: Erstelle mir einen Workflow, um XYZ zu erreichen.
Was bleibt dann noch? Vermutlich das, was die KI nicht hat: mein eigenes Erleben, meine eigenen Umwege, meine eigene Stimme dabei. Nicht die Lösung, sondern der Weg dorthin — und warum ich ihn so und nicht anders gegangen bin.