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Vorpahl und Lang - Die 3-Tage-Woche

Aber warum hat Mario bei unserem Gespräch gleich abgewunken? Im selben Haus stand zu der Zeit noch eine Wohnung zum Verkauf... Für ihn stand aber glasklar fest, dass Vermieten nichts für ihn sei. Die Argumente hätten noch so gut sein können. Wenn er sich eine Wohnung kaufe, dann nur, um darin selbst zu wohnen.

Wir werden schon früh in unserem Leben dazu erzogen, den "normalen" Weg zu gehen. Als Kind sollen wir in der Schule auf den Lehrer hören. Wir lernen, Zusammenfassungen von Texten zu schreiben, die andere geschrieben haben...

Wenn Du am Ende deiner Schulzeit sagst, dass es dir nicht reicht, Texte nur zusammenzufassen, sondern du dich erst einmal selbst an Gedichten versuchen willst und an eigenen Texten arbeiten möchtest, bevor du anfängst zu studieren, schlägt dir Unverständnis entgegen. Deine Eltern machen sich Sorgen um deine Zukunft. Den meisten passt es nicht ins Weltbild. Sie kennen einfach niemanden, der so etwas schon einmal gemacht hat.

Elias Vorpahl, Dominik Lang: Die 3-Tage-Woche, Berlin 2017, S. 128

 

Jo Nesbö - Macbeth

Dann wurde ihm blitzartig etwas klar. Er kannte niemanden, der ihm helfen würde. Nicht hier und nirgendwo sonst. Er war die Art Mensch, mit der die Leute einigermaßen zurechtkamen. Es war nicht so, dass sie ihn bewusst nicht ausstehen konnten, aber sie mochten ihn auch nicht. Und warum sollten sie? Was hatte er je für einen anderen getan, das ihm nicht selbst einen Vorteil verschafft hätte? Er hatte Verbündete, keine Freunde.

Jo Nesbö: MacBeth, München 2018, Seite 364

 

Tom DeMarco - Der Termin

Ein Roman über Projektmanagement.

Das ist etwas, was ich einfach nicht verstehen kann, obwohl einige Firmen es sogar zur Unternehmenspolitik erheben: Sie reißen Teams aus Prinzip auseinander, sobald ein Projekt abgeschlossen ist. Meiner Meinung nach ist das ausgemachter Schwachsinn! Ein gut funktionierendes Team gehört zu den wichtigsten Projektergebnissen. Man sollte Manager am Ende nicht nur nach der Software beurteilen, die er produziert hat, sondern auch danach, ob er mindestens ein gutes, solides Team aufgebaut hat, das darauf brennt, in einem neuen Projekt zusammenzuarbeiten.

Tom DeMarco: Der Termin. München, 2007, S. 76

 

Marc Elsberg: Zero – Sie wissen, was du tust

"Kurz gesagt, es gibt keine neutralen Suchergebnisse. Dasselbe gilt für die meisten Ergebnisse und Empfehlungen im Internet. Wir reden daher nicht von Informationsfreiheit, sondern von Informationsfilterung. Nichts davon ist wirklich neutral. Warum auch? Das Internet ist ja keine neue Welt, sondern ein weiterer Teil unserer bisherigen. Da wird genauso getrickst und betrogen, verheimlicht, enthüllt und entblößt, manipuliert und intrigiert, verehrt und verhöhnt, gehasst und geliebt wie woanders auch." Er zuckt mit den Schultern. "Bloß von viel mehr Menschen und viel schneller als frührer. Einen Dienst im Internet in Anspruch zu nehmen ist, als würdest Du in einer fremden Stadt einen Taxifahrer bitten, dich in ein gutes Hotel zu bringen. Im besten Fall tut er das. Im zweitbesten bringt er dich zu einem, das er für gut hält... Und in den meisten Fällen bringt er dich in das Hotel seines Cousins."

Marc Elsberg: Zero. Sie wissen, was Du tust. München, 2014, S. 193

 

Mein Roman - Lebensglück im Unrechtsstaat?

In letzter Zeit ist gelegentlich diskutiert worden, ob man in der DDR glücklich leben konnte. Natürlich hat jeder Mensch, unter welchen Umständen auch immer, die Möglichkeit, sein kleines persönliches Glück in der Familie, auf dem Gartengrundstück oder beim Briefmarkensammeln zu suchen und zu finden. Das ist so richtig wie banal. Doch darum geht es nicht allein. Die Frage lautet: Gab es ein wirkliches Lebensglück im Unrechtsstaat?

Die Antwort muss wohl lauten: Ja, dieses Glück gab es. Ein "Gespräch über Bäume" schloß eben nicht, wie Brecht meinte, das "Schweigen über so viele andere Untaten" ein. Fröhlichkeit und Lebenslust, Spaß und Ironie waren die wichtigsten Waffen im Kampf gegen die diktatorische Anmaßung, das Leben des Einzelnen bestimmen zu wollen.

Ein wenig später als Abschluß des Prologs:

Die alltägliche Diktatur und der diktatorische Alltag sind nicht voneinander zu trennen. Geborgenheit und Unfreiheit gehörten zusammen. Die Wärme der Gemeinschaft und die kollektivistische Totalkontrolle bildeten eine untrennbare Einheit.

Aus: Die heile Welt der Diktatur: Alltag und Herrschaft in der DDR 1971-1989, Stefan Wolle, Berlin 2013, S. 18