Skip to main content
 

Farbe bekennen

Und da hat man schon einen Teil der Erklärung dafür, dass es der extremen Rechten immer öfter gelingt, das Hambacher Fest, das Deutschlandlied oder die schwarz-rot-goldene Fahne für sich zu reklamieren: All das ist einem Teil der Linken fremd, zuwider oder bestenfalls gleichgültig. "Deutsch mich nicht an!" ist eine Parole, die man öfter auf Anti-AfD-Demonstrationen sieht. Man hat es mit einem verzweifelten politischen Tango zu tun: Gerade weil die AfD danach greift, weicht der Rest zurück. Linke haben die Fahne wie kontaminiert rechts liegen gelassen – und da ist die AfD gekommen und hat sie aufgehoben.

Miriam Lau: Zeit Online vom 17.10.2018

 

Gebt uns den Rechtsstaat zurück! - Kolumne - SPIEGEL ONLINE

Morgens aufwachen, sich am Bauch kratzen und politische Entscheidungen treffen, wie es einem beliebt - so sah jahrhundertelang der Alltag der deutschen Fürsten aus. Doch irgendwann reichte es den Untertanen mit der politischen Willkür. Sie forderten Mitsprache, eine Verfassung und vor 100 Jahren sah auch der letzte deutsche Monarch ein, dass seine Zeit vorbei ist und dankte ab.

Inzwischen könnte man meinen, die Fürsten kommen zurück. Immer wieder erlebt man dieser Tage selbsternannte Herrscher von Gottes Gnaden - niemandem verpflichtet, außer sich selbst und den Umfragewerten.

...

Dass sich manch ein Politiker überm Gesetz wähnt, hört man mitunter in den Nebensätzen. Wie zum Beispiel, als Bundesinnenminister Horst Seehofer - gerührt über die 69 Abschiebungen zu seinem 69. Geburtstag - sagte, "das war von mir so nicht bestellt". Ich wusste nicht, dass bei uns Minister Abschiebungen bestellen können.

Vielleicht müssen wir es machen, wie die Untertanen damals: 1832 zogen Menschenmassen zum Hambacher Schloss und demonstrierten für Demokratie und Pressefreiheit, gegen Fürstenwillkür und die Zersplitterung der europäischen Staaten. Das klingt so aktuell, könnte letzte Woche gewesen sein. Höchste Zeit, dass auch wir unseren Rechtsstaat zurückfordern.

Ferda Ataman auf SPIEGEL ONLINE - 25.08.2018

 

Unsere Vorruheständler aus dem Voralpenland

Die Frage nach Grenzkontrollen und Identitätsprüfungen für Flüchtlinge ist eine derartige Lappalie – man kann es nicht fassen, dass es seit gefühlt drei Jahren Tag und Nacht um nichts anderes geht.

Ist das nicht alles sagenhaft lächerlich? Man möchte den Verantwortlichen in der Politik zurufen: "Wenn ihr nervlich so schwach seid, dann geht doch endlich in Rente!" In allen anderen Berufen werden die Berufstätigen, wenn sie 28 Stunden am Tag die Krise herbeibeschwören und jammern und Drohkulissen aufbauen, ohne Wenn und Aber in den Vorruhestand geschickt. Wer es mental nicht packt, seine Aufgaben in seinem Jobprofil zu lösen, hat in einer sozialversicherungspflichtigen Anstellung eigentlich nichts mehr verloren. Der Steuerzahler alimentiert seine Mandatsträger doch nicht für dieses armselige Schauspiel. Politik ist dafür da, zu gestalten, Gesetzesentwürfe einzureichen, Vorschläge und Ideen zu liefern. Nicht an den Grenzen, sondern im Land.

Mely Kiyak auf Zeit Online vom 27. Juni 2018, 13:06 Uhr

 

My old photos from East-Berlin (Johannisthal und Niederschöneweide) published in Tagesspiegel Online. I love @creativecommons - https://www.tagesspiegel.de/berlin/berliner-stadtgeschichte-die-letzten-ddr-kaufhallen-werden-abgerissen/22698968.html

 

Ein Land wird stumm

Danke. Ich bin kein Fan der Autorin, aber wo sie Recht hat...

Deniz' Haft beschämt mich oft. Ich habe keine plausible Erklärung dafür. Die anfängliche Empörung steigerte sich in Zorn, wurde zur Trauer und endet nun in Scham. Mich beschämt, dass er und viele andere in eine Situation geraten sind, in der sie sich gezwungen fühlen, sich ihn ihren Briefen aus dem Gefängnis bei Menschen bedanken zu müssen, die sich für sie einsetzen. Vielleicht aber ist es andersherum. Die in Freiheit leben, profitieren vom Kampf derjenigen, die sich für die Freiheit interessierten und dafür einen hohen Preis zahlen. Nicht sie haben zu danken. Ich danke.

Mely Keyak, Zeit Online

 

Leo und Gutsch: Ich bin der ostdeutsche Mann | Berliner Zeitung

Selten so gelacht. Ich bin austherapiert.

Ich schreibe diese Zeilen als Betroffener. Ich bin seit meiner Geburt ein ostdeutscher Mann. Für meine Mutter war das nie leicht, zumal auch mein Bruder trotz aller ärztlichen Bemühungen ein ostdeutscher Mann wurde. Als Kind saugte ich an den giftigen Milchbrüsten der Diktatur, und wenn ich heute, 27 Jahre nach Ende der DDR, das Wort „Demokratie“ schreiben möchte, verkrampft sich meine Hand wie bei einem Erstklässler und dann steht da plötzlich: „Ausländer raus!“. Es ist eine Art Ost-Tourette-Syndrom.

In der Berliner Zeitung las ich, dass der ostdeutsche Mann sich zuweilen „Waffen und Camouflageanzüge“ kauft und von „Ordnung und Führung“ träumt. Das erschien mir stark übertrieben, ja geradezu klischeehaft. Aber dann schaute ich in meinen Kleiderschrank und sah dort zehn Camouflageanzüge neben einem Haufen frischpolierter Schnellfeuerpistolen!

Bei Zeit Online las ich einen Artikel mit der Überschrift „Wer ist der ostdeutsche Mann?“ Es klang, als würden sie den Yeti suchen, oder das Ungeheuer von Loch Ness. Fast wäre ich in die Redaktion gefahren und hätte gesagt: Huhu, da bin bin ich! Aber man weiß nie, wie Menschen reagieren, die noch nie einen ostdeutschen Mann getroffen haben.

Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/28512012 ©2017 - Berliner Zeitung vom 30.09.2017

 

Baukasten oder Puzzle?

2 min read

PeBe Miniautos from East Germany

 

Das Buch wirft einen Blick auf die PeBe Miniauto-Steckbausteine aus DDR-Produktion.

Neulich durfte ich endlich mal was erben. Nein, es war nur ein Umzug. Bevor mein Nachbar mich verließ, hinterließ er mir drei kleine, legoähnliche Steckbaustein-Kästen. Mir wurde warm ums Herz, denn diese Auto-Bausätze besaß ich als Kind auch.

Toy Cars PeBe Miniautos from East Germany

Von Zeit zu Zeit wandle ich durch die Zimmer unserer Kinder und stoße auf Legosteine heutiger Zeit, die ich partout nicht zuordnen kann. Ich ahne nur, dass sie zu einer Ritterburg oder einem Alien gehören könnten. Selbst wenn ich es wüßte, es sind ja doch schon sämtliche Steckbausteine in einer Kiste gelandet.

Wieso gelingt mir das Zusammensetzen von kleinen Autos aus DDR-Zeiten innerhalb weniger Minuten? Und wieso kann ich noch nicht mal Steine der Neuzeit identifizieren geschweige denn zu einem Bauwerk zusammensetzen? Das Buch wirft einen Blick auf die PeBe Miniauto-Steckbausteine aus DDR-Produktion.

Als eBook veröffentlicht am 22. Januar 2013. Baukasten oder Puzzle? von Andreas Petersell steht unter einer Creative Commons Namensnennung 3.0 Deutschland Lizenz.

Download

als EPUB und PDF möglich unter github.com.

Online

Sie finden das Buch online unter  Seminarwork.

 

Zeppobox

2 min read

Zeppobox

 

Die Zeppobox ist eine Geschäftsidee, die ein temporär genutztes Schließfach in der realen Welt mit einem sozialen Netzwerk und einen Bezahlsystem der Online-Welt verbindet.

Im Sommer 2013 las ich in der Zeitschrift  brand eins einen Artikel über die Arbeitsverhältnisse der Menschen in Seoul, Korea. U.a. dass sie viel zu lange Arbeitswege haben und für ein Privatleben kaum noch Zeit ist. Im Artikel ein Foto eines virtuellen Ladenregals von Tesco in der U-Bahn: die Wartenden auf dem U-Bahnhof scannten die QR-Codes der abgebildeten Artikel und ließen sich diese am Abend oder am nächsten Tag anliefern. Dieses Foto inspirierte mich zur Idee der Zeppobox.

Die Zeppobox hat die zeitversetzte Übergabe von Dingen im Focus. In dieser Form wird sie noch an der Realität scheitern. Finden Sie heraus, warum. Möge die Idee der Zeppobox Ihnen als Inspiration dienen. Mit anderen Worten: dies ist ein Text aus dem Jahr 2013, mehr nicht. Der Autor verändert diesen Text nicht.

Auch andere arbeiten an dieser Idee: im Februar 2014 funktionierte Volvo in einem Pilotprojekt das Auto um in eine private Packstation. Das Startup inFach.de hat sich auf die Schlüsselübergabe im Bereich Ferienunterkünfte spezialisisiert. Schauen Sie selbst unter hoardspot.com.

Als eBook veröffentlicht am 05. März 2014. Zeppobox von Andreas Petersell steht unter einer Creative Commons Namensnennung 3.0 Deutschland Lizenz.

Download

als EPUB und PDF möglich unter github.com.

Online

Sie finden das Buch online unter  Seminarwork.

 

Die Protagonisten der DDR-Literatur

1 min read

Die Protagonisten der DDR-Literatur der 70er und 80er Jahre 

 

Dieser Text entstand als Wissenschaftliche Hausarbeit zur Ersten Staatsprüfung für das Amt des Studienrats. Er wurde von Andreas Petersell in Berlin am 13.06.1996 unter dem Titel “Zwischen Selbstsicherheit und Selbstzweifel: Findung und Wahrung der Identität in einer repressiven Gesellschaft. Die Protagonisten der DDR-Erzählprosa der 70er und 80er Jahre” eingereicht.

Die Hausarbeit wurde von der Prüfungskommission unter der Leitung von Prof. F. Hörnigk (Humboldt-Universtität zu Berlin) mit der Note “Sehr gut” (1,3) bewertet.

Die Protagonisten der vier folgenden Werke sind Gegenstand einer Betrachtung:

  • Erich Loest: Es geht seinen Gang oder Mühen in unserer Ebene(1978)
  • Jurek Becker: Schlaflose Tage (1978)
  • Monika Maron: Flugasche (1981)
  • Christoph Hein: Der fremde Freund (1982)

Als eBook veröffentlicht am 13. Juni 1996. Die Protagonisten der DDR-Literatur von Andreas Petersell steht unter einer Creative Commons Namensnennung 3.0 Deutschland Lizenz.

Download

als EPUB und PDF möglich unter github.com.

Online

Sie finden das Buch online unter  Seminarwork.

 

Panikmoment Ticketkauf

2 min read

Freya Oehle - Panikmache beim Flugzeugticketkauf

In der Ausgabe 04/2015 gibt Freya Oehle der brandeins ein Interview. Wir glaubten bisher, durch Onlinehandel entsteht Transparenz und somit die Möglichkeit, stets Preise vergleichen zu können. Pustekuchen!

brand eins: Das Netz, heißt es, bietet Preistransparenz. Stimmt das?

Freya Oehle: Es bietet immer nur eine Momentaufnahme. Für einen Augenblick hat man Preistransparenz. 20 Minuten später sieht alles schon ganz anders aus. Als wir anfingen, Preise systematisch zu vergleichen, waren wir erschrocken. Ein Produkt kann an einem Tag 30 Euro billiger sein und am folgenden Tag 50 Euro teurer. Gerade bei Amazon sind extreme Schwankungen normal, weil die Händler dort Tools benutzen, die den Preis ihrer Produkte automatisch senken, wenn dies die Konkurrenz tut. Geht einer mit dem Preis runter, ziehen alle anderen nach.

 Es kommt noch schlimmer: Panikmache ist möglich.

brand eins: Auf welche Weise taktieren Händler noch mit Preisen?

Große E-Commerce-Händler und viele Fluglinien nehmen es wahr, wenn jemand eine Flugverbindung oder ein Produkt mehrmals aufruft. Dann hat er offenbar starkes Interesse. Die Software erzeugt dann eine Art Panikmoment, indem sie den Preis weiter erhöht oder die verfügbare Stückzahl verringert. Der Interessent soll denken, dass er sich jetzt sofort entscheiden muss. Ruft er die Flugverbindung von einem anderen Computer aus auf, kann es durchaus sein, dass er wieder den ursprünglichen Preis sieht.

Das gesamte Interview findet sich hier: http://www.brandeins.de/archiv/2015/handel/freya-oehle-im-interview-kuenstliche-panikmomente/