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Manuskripteinsendungen – warum denn nicht? – CulturBooks

Jetzt habe ich es auch verstanden.

Es stimmt, dass in vielen Verlagen die unverlangt eingesandten Manuskripte meist gar nicht gelesen werden. Manchmal vielleicht vom Praktikanten oder der Praktikantin. Wobei ich es meinen Praktikantinnen nicht zumuten wollte, sich damit eingehend zu befassen. Warum nicht? Weil die Erfahrung gezeigt hat, dass die allermeisten Einsendungen sich nicht lohnen. Qualitativ, inhaltlich, formal, da kann es viele sehr unterschiedliche Gründe geben. Ich werde immer gefragt: War denn wirklich noch nie etwas dabei, das sich gelohnt hätte? Tatsächlich werfen wir zumindest einen kurzen Blick auf alles, was man uns schickt (meist reicht ein kurzer Blick, um zu wissen, ob sich das Weiterlesen lohnt), und ich habe mir nun die Mühe gemacht, den Prozentsatz der Texte auszurechnen, die unter den unverlangten Einsendungen tatsächlich von uns verlegt wurden: 0,2%.

 

Mein Roman - Lebensglück im Unrechtsstaat?

In letzter Zeit ist gelegentlich diskutiert worden, ob man in der DDR glücklich leben konnte. Natürlich hat jeder Mensch, unter welchen Umständen auch immer, die Möglichkeit, sein kleines persönliches Glück in der Familie, auf dem Gartengrundstück oder beim Briefmarkensammeln zu suchen und zu finden. Das ist so richtig wie banal. Doch darum geht es nicht allein. Die Frage lautet: Gab es ein wirkliches Lebensglück im Unrechtsstaat?

Die Antwort muss wohl lauten: Ja, dieses Glück gab es. Ein "Gespräch über Bäume" schloß eben nicht, wie Brecht meinte, das "Schweigen über so viele andere Untaten" ein. Fröhlichkeit und Lebenslust, Spaß und Ironie waren die wichtigsten Waffen im Kampf gegen die diktatorische Anmaßung, das Leben des Einzelnen bestimmen zu wollen.

Ein wenig später als Abschluß des Prologs:

Die alltägliche Diktatur und der diktatorische Alltag sind nicht voneinander zu trennen. Geborgenheit und Unfreiheit gehörten zusammen. Die Wärme der Gemeinschaft und die kollektivistische Totalkontrolle bildeten eine untrennbare Einheit.

Aus: Die heile Welt der Diktatur: Alltag und Herrschaft in der DDR 1971-1989, Stefan Wolle, Berlin 2013, S. 18