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Pompös begonnen, prosaisch geendet

Es hat ja sogar was Beruhigendes, wenn man feststellen kann, dass selbst der so junge, so talentierte und so erfolgreiche Sebastian Kurz auch nur ein Mensch ist. Einer wie Du und Ich. Man sollte von Politikern ohnehin nicht zu viel erwarten, jedenfalls nicht mehr, als von sich selbst.

Ulrich Zadurner, Zeit Online

 

Vorpahl und Lang - Die 3-Tage-Woche

Aber warum hat Mario bei unserem Gespräch gleich abgewunken? Im selben Haus stand zu der Zeit noch eine Wohnung zum Verkauf... Für ihn stand aber glasklar fest, dass Vermieten nichts für ihn sei. Die Argumente hätten noch so gut sein können. Wenn er sich eine Wohnung kaufe, dann nur, um darin selbst zu wohnen.

Wir werden schon früh in unserem Leben dazu erzogen, den "normalen" Weg zu gehen. Als Kind sollen wir in der Schule auf den Lehrer hören. Wir lernen, Zusammenfassungen von Texten zu schreiben, die andere geschrieben haben...

Wenn Du am Ende deiner Schulzeit sagst, dass es dir nicht reicht, Texte nur zusammenzufassen, sondern du dich erst einmal selbst an Gedichten versuchen willst und an eigenen Texten arbeiten möchtest, bevor du anfängst zu studieren, schlägt dir Unverständnis entgegen. Deine Eltern machen sich Sorgen um deine Zukunft. Den meisten passt es nicht ins Weltbild. Sie kennen einfach niemanden, der so etwas schon einmal gemacht hat.

Elias Vorpahl, Dominik Lang: Die 3-Tage-Woche, Berlin 2017, S. 128

 

Jo Nesbö - Macbeth

Dann wurde ihm blitzartig etwas klar. Er kannte niemanden, der ihm helfen würde. Nicht hier und nirgendwo sonst. Er war die Art Mensch, mit der die Leute einigermaßen zurechtkamen. Es war nicht so, dass sie ihn bewusst nicht ausstehen konnten, aber sie mochten ihn auch nicht. Und warum sollten sie? Was hatte er je für einen anderen getan, das ihm nicht selbst einen Vorteil verschafft hätte? Er hatte Verbündete, keine Freunde.

Jo Nesbö: MacBeth, München 2018, Seite 364

 

Own the Demand – Florent Crivello

Ben Thompson’s famous Aggregation Theory: modern marketplaces get their power from aggregating the demand side. And that’s a much better position than the old way of trying to own the supply side.

There’s this famous comment that “Uber owns no cars; Airbnb no real estate; Facebook no content; and Ebay or Alibaba no inventory.” If you can get away with being 1% as capital-intensive as your competitors while extracting greater profits, why wouldn’t you do it?

 

Farbe bekennen

Und da hat man schon einen Teil der Erklärung dafür, dass es der extremen Rechten immer öfter gelingt, das Hambacher Fest, das Deutschlandlied oder die schwarz-rot-goldene Fahne für sich zu reklamieren: All das ist einem Teil der Linken fremd, zuwider oder bestenfalls gleichgültig. "Deutsch mich nicht an!" ist eine Parole, die man öfter auf Anti-AfD-Demonstrationen sieht. Man hat es mit einem verzweifelten politischen Tango zu tun: Gerade weil die AfD danach greift, weicht der Rest zurück. Linke haben die Fahne wie kontaminiert rechts liegen gelassen – und da ist die AfD gekommen und hat sie aufgehoben.

Miriam Lau: Zeit Online vom 17.10.2018

 

There is no WHY in TEAM. | Mike Veerman

A team should have a mission. Do they own a product? Can you describe in one sentence what this team does?
Too many people are stuck in Scope Farms. Their purpose is to build whatever is asked from them. No questions asked. It’s unproductive and a horrible waste of talent.
Every team has a purpose. This can be a project goal or the ownership of a product. It can be a small subset of a larger whole, but within those borders, they set the direction.

Without a mission, there is no team.

 

"Respekt, Vertrauen, Mitgefühl - darum macht Arbeit die Skandinavier glücklich"

Klingt ja alles sehr schön und gut, aber ist denn in Skandinavien wirklich alles Gold, was glänzt?

Maike van den Boom: Es ist schon alles ziemlich goldig hier (lacht). Natürlich gibt es hier auch Ausnahmen und Schwarze Schafe, Alphatierchen – aber die überleben hier meistens nicht sehr lange. Weil ein Skandinavier keinen Finger rührt, wenn ihm kein Sinn geboten wird und der Respekt nicht da ist. Denn man hat nur ein Leben, und das will man sich ja für acht Stunden am Tag nicht versauen lassen. Egal von wem.

 
 

Gebt uns den Rechtsstaat zurück! - Kolumne - SPIEGEL ONLINE

Morgens aufwachen, sich am Bauch kratzen und politische Entscheidungen treffen, wie es einem beliebt - so sah jahrhundertelang der Alltag der deutschen Fürsten aus. Doch irgendwann reichte es den Untertanen mit der politischen Willkür. Sie forderten Mitsprache, eine Verfassung und vor 100 Jahren sah auch der letzte deutsche Monarch ein, dass seine Zeit vorbei ist und dankte ab.

Inzwischen könnte man meinen, die Fürsten kommen zurück. Immer wieder erlebt man dieser Tage selbsternannte Herrscher von Gottes Gnaden - niemandem verpflichtet, außer sich selbst und den Umfragewerten.

...

Dass sich manch ein Politiker überm Gesetz wähnt, hört man mitunter in den Nebensätzen. Wie zum Beispiel, als Bundesinnenminister Horst Seehofer - gerührt über die 69 Abschiebungen zu seinem 69. Geburtstag - sagte, "das war von mir so nicht bestellt". Ich wusste nicht, dass bei uns Minister Abschiebungen bestellen können.

Vielleicht müssen wir es machen, wie die Untertanen damals: 1832 zogen Menschenmassen zum Hambacher Schloss und demonstrierten für Demokratie und Pressefreiheit, gegen Fürstenwillkür und die Zersplitterung der europäischen Staaten. Das klingt so aktuell, könnte letzte Woche gewesen sein. Höchste Zeit, dass auch wir unseren Rechtsstaat zurückfordern.

Ferda Ataman auf SPIEGEL ONLINE - 25.08.2018

 

Unsere Vorruheständler aus dem Voralpenland

Die Frage nach Grenzkontrollen und Identitätsprüfungen für Flüchtlinge ist eine derartige Lappalie – man kann es nicht fassen, dass es seit gefühlt drei Jahren Tag und Nacht um nichts anderes geht.

Ist das nicht alles sagenhaft lächerlich? Man möchte den Verantwortlichen in der Politik zurufen: "Wenn ihr nervlich so schwach seid, dann geht doch endlich in Rente!" In allen anderen Berufen werden die Berufstätigen, wenn sie 28 Stunden am Tag die Krise herbeibeschwören und jammern und Drohkulissen aufbauen, ohne Wenn und Aber in den Vorruhestand geschickt. Wer es mental nicht packt, seine Aufgaben in seinem Jobprofil zu lösen, hat in einer sozialversicherungspflichtigen Anstellung eigentlich nichts mehr verloren. Der Steuerzahler alimentiert seine Mandatsträger doch nicht für dieses armselige Schauspiel. Politik ist dafür da, zu gestalten, Gesetzesentwürfe einzureichen, Vorschläge und Ideen zu liefern. Nicht an den Grenzen, sondern im Land.

Mely Kiyak auf Zeit Online vom 27. Juni 2018, 13:06 Uhr